Blue Flower

 


 

November / Dezember 2019

 

             Eine Samstagmorgen-Begegnung             

 

Samstagvormittag. Fußgängerzone. Unser Büchertisch mit kostenloser christlicher Literatur war gut postiert.
Er fiel auf an diesem Samstagmorgen in der Fußgängerzone. Dunkler Anzug, weißes Hemd, Krawatte, Hut und ein Gehstock mit silbernem Knauf.
Wortlos blieb der ältere Mann an unserem Büchertisch stehen und taxierte die ausgelegte Literatur. Auf meinen Hinweis, dass alle Bücher kostenlos seien, gab er keine Antwort. Minuten vergingen. Dann seine abwertende Reaktion: „Die Bücher sind alle Unsinn!“
Ich war natürlich anderer Meinung; lagen doch Titel von Wilhelm Busch bis Prof. Werner Gitt zu den unterschiedlichsten Themen aus.
Der ältere Herr blieb bei seiner Meinung. Seine Frage kam für mich überraschend: „Wo haben Sie studiert, junger Mann?“ Auf meinen Hinweis, dass ich kein Studium nachweisen könne, kam wie aus der Pistole geschossen seine nächste Frage: „Waren Sie wenigstens auf einer Bibelschule?“ Mit meinem erneuten Nein schmolz mein anfängliches Selbstbewusstsein. „Dann kennen Sie doch wenigstens den und den wegführenden Theologen und seine Lehre?“ Du ahnst es sicher! Auch hier musste ich passen und mir wurde langsam flau in der Magengegend. „Was bilden Sie sich eigentlich ein, mit solchen „Käsebüchern“, gepaart mit totaler Inkompetenz, Menschen hier in der Fußgängerzone zu belästigen?“
Das war dann doch der Schritt zu weit. Ich versuchte mich unter Kontrolle zu halten und wies diesen an einem Samstagmorgen in der Fußgängerzone viel zu vornehm gekleideten Herrn darauf hin, dass ich ihn gar nicht genötigt hatte, an unserem Büchertisch stehenzubleiben. „Wer sind Sie überhaupt?“, hörte ich mich fragen. „Ich war Professor für Theologie in Marburg“, kam die prompte und bestimmende Antwort.
Schlechter Samstag. Oder doch nicht? Mein Stoßgebet kannten nur ich und mein himmlischer Vater. Und es wurde erhört. Zum Glück – gleich erhört! „Herr Professor, als Theologe kennen Sie doch bestimmt das kürzeste Zeugnis im NT?“ Seine Stille verriet Unkenntnis und so trieb ich es keck auf die Spitze. „Ach, Sie sind wie Nikodemus ein Lehrer Israels und wissen das nicht?“ Langsam gefiel mir das Gespräch. „Na, Sie werden mich bestimmt gleich aufklären“, sagte mein Gegenüber. In der Tat, das konnte ich! „Sehen Sie, im Johannesevangelium wird ein blinder Mann von Jesus geheilt. Und als er von der religiösen Oberschicht befragt wurde, sagte dieser einfache Mann: ‚Früher war ich blind und jetzt sehe ich!’ Sehen Sie, Herr Professor, das ist das kürzeste Zeugnis im NT. Und genau deshalb stehe ich hier, denn auch ich war früher blind und heute sehe ich.“ Wortlos verließ mein Gesprächspartner den Büchertisch und verschwand in der Menge der Fußgängerzone.

 

R. Gerhardt

 



September / Oktober 2020

Erwischt!

„Herr Pastor, letzten Montag habe ich Sie erwischt!“, sagte er mir mit verschmitztem Lächeln, um mir deutlich zu machen, dass er es schon lange wusste: Der Mann von der Stadtmission ist auch keinen Deut besser … „Was denn?“, fragte ich erstaunt. „Ja, Sie sind mit dem Auto um Viertel nach sechs von der X-Straße in die Y-Straße abgebogen und haben nicht geblinkt. Ich war direkt hinter Ihnen. Na, bitte!“ „Okay, was will der, was wird das denn jetzt“, war mein erster Gedanke. Ich sagte ihm dann einfach: „Das nächste Mal werde ich blinken – extra für Sie.“ Aber was steckt dahinter? Ich wurde stutzig. Irgendwie scheint er zu denken, dass die, die sich Christen nennen, alles richtig machen müssen. Vielleicht ist er der Meinung, dass Christsein darin besteht, keine Fehltritte zu machen und immer schön fromm, lieb und brav zu sein. Und wenn ich dann einen dabei erwische, wo das nicht so ist: „Siehste, ich habe es doch gleich gewusst, die sind doch auch nicht besser. Tun so fromm nach außen und hinten herum läuft da eine Menge schief.“ Folgendes an der Sache ist interessant: Er hat ja Recht damit, wenn er sagt, Christen sind kein bisschen besser als jeder andere auch. Das stimmt total. Ein Glaube, der zum Inhalt hat, aus sich selbst gut zu werden und alles richtig zu machen ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Keiner schafft es, auch wenn er sich religiös noch so anstrengt und jeden Sonntag in die Kirche rennt. Was er aber anscheinend nicht weiß, ist, dass es gar nicht Ziel und Inhalt des Christseins ist, durch eigene Werke und Anstrengung gut zu werden. Das Evangelium, die Frohe Botschaft, bedeutet doch, dass der Mensch befreit wird von seiner Schuld durch das, was Jesus Christus für uns tat. Er trug die Schuld für uns. Ich muss mich nicht selbst bemühen, alles richtig machen zu müssen. Ich kann, ja ich muss zu meinen Fehlern stehen, weiß aber wohin damit: zu Christus! Ich empfinde Christ zu sein von daher sehr befreiend.

Womit wir bei Martin Luther und der Reformation wären. Auch ihm ging es so. Als er für sich entdeckte, dass Gott ein gnädiger Vater und keinesfalls ein bösartiger Erbsenzähler ist, da war das für ihn – wie er selbst schreibt – als träte er „direkt ins Paradies“ ein. Fortan wollte er nichts mehr, als diese befreiende Botschaft möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Kein Wunder, dass er einen deutschen Gottesdienst entwickelte, mit seinem Katechismus eine Art ersten Glaubensgrundkurs schrieb und alle Leute ermutigte, den wunderbaren Gott des Himmels und der Erde kennenzulernen. Am besten, indem sie in seinem jetzt zugänglichen Wort lasen. Oder wie Luther es einmal sagte: „Wenn wir glauben könnten, dass in der Heiligen Schrift Gott selbst zu uns spricht, dann würden wir eifriger darin lesen und wären sicher, dass hier unser Lebensglück geschmiedet wird“.    Dirk Kunz

 


 

JULI / AUGUST 2020

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.                                                  Psalm 139,14                   

Menschen aller Zeiten sind von Grundfragen des Lebens bewegt. Wer bin ich, wozu bin ich da? Auch David denkt darüber nach. Die Antwort kommt nicht aus Vermutungen, sondern sind Eingebung und Geschenk Gottes. Vielleicht beschäftigt dich auch diese Frage. Die Antwort ist wichtig für unser Leben und unser Selbstbewusstsein. Entscheidende Antworten werden uns von Gottes Geist offenbart.

David lebt in der Gewissheit: Ich bin ein Geschöpf Gottes, ein Meisterstück aus der Werkstatt des Schöpfers. Er hat sich das ausgedacht, gut überlegt, mir Gaben geschenkt und mein Leben vorgeplant. Mit diesem Vorzug darf ich leben. Das will ich dankbar anerkennen.

So weiß ich auch, woher ich komme. Ich bin kein hochentwickelter Affe, kein Produkt des Zufalls, sondern geliebtes Geschöpf und Wunsch Gottes. Wenn ich die Details meines Körpers erforsche, kann ich nur staunen. Da steckt eine geballte Ladung Weisheit Gottes drin. Billionen Zellen werden mit Nahrung und Sauerstoff versorgt, die Abfallstoffe werden abtransportiert, ohne dass ich mich anstrenge. Die Nerven steuern meine Bewegungen, haben den Körper unter Kontrolle. Die Sinnesorgane sind Wunderwerke, sie erfassen die Eindrücke unserer Umgebung. Da bleibt uns nur das Staunen über die Weisheit Gottes und das Danken für seine Wunder.

Daraus erkennen wir auch, wozu wir geschaffen sind. Wir leben, um unseren Schöpfer zu erkennen und in der Gemeinschaft mit ihm zu sein. Dass wir ihn loben und anbeten, dass wir uns freuen an seinen Gaben und Werken, das gibt dem Leben Sinn und Inhalt, auch Grund zur Selbstannahme.

Es gibt auch Menschen, die nicht diesen wunderbaren Körper haben. Sie müssen damit leben, dass nicht alle Organe funktionieren. Sie brauchen die ergänzende Hilfe durch andere Menschen, Verständnis und Ermutigung. Auch sie sind geliebt von Gott und wer ihm vertraut, der wird ewig beschenkt mit einem neuen, vollkommenen Körper.

Das ist der hoffnungsvolle Ausblick auf die Neue Welt Gottes, die er für uns vorbereitet hat.

Einen Sommer des Staunens und Dankens wünscht euch

                                                                                           Friedhelm Ries

                         


 

Mai / Juni 2020

 

Euer Herz erschrecke nicht!
Glaubt an Gott und glaubt an mich.
                                           Johannes 14,1

Diese Worte leiten die letzte Rede an die Jünger ein, bevor Jesus seinen schweren Gang nach Golgatha antritt, bevor er zu Unrecht verurteilt und vor ihren Augen zu Tode gemartert wird.

Versetzen wir uns einen Moment in die Lage der Jünger – mit Jesus sterben am Kreuz alle ihre Hoffnungen. ALLES hatten sie für IHN aufgegeben: ihre Arbeit, ihren Besitz, ihre Familien, ihr Zuhause… Die Jünger standen vor der größten Krisensituation ihres Lebens und genau in diesem Moment ruft Jesus ihnen zu: „Euer Herz erschrecke NICHT!“

Eine unmögliche Forderung, oder?

Aber sobald wir unseren Gefühlen erlauben mit uns „davon zu galoppieren“ wie ein wild gewordener Hengst, bekommen wir sie so gut wie nicht mehr unter Kontrolle. Umso wichtiger ist es, direkt den Anfängen einer aufkommenden Panik zu wehren.

Oft denken wir, wir wären machtlos, wir hätten keinerlei Kontrolle über unsere überkochenden Gefühle, erst recht nicht, wenn uns der Boden unter den Füßen weggezogen wird wie damals den Jüngern. Aber hätte es Jesus von seinen Jüngern gefordert, wenn es ihnen tatsächlich NICHT möglich gewesen wäre? Uns Menschen ist es vielleicht unmöglich, aber:

„Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ (Markus 9,23)

Diese Bibelstelle hat mich gesegnet und mir gezeigt: Egal was kommt, ganz gleich wie verheerend und verwirrend die Umstände im Moment auch sein mögen, wie scheinbar hoffnungslos die aktuelle Situation – im Glauben an meinen JESUS kann ich ihr entgegentreten und standhalten.

Mit JESUS stehe ich IMMER auf der Seite des SIEGERS.

Deshalb:

Don’t panic – BELIEVE!  (Keine Panik – glaube!)

Eure  Marion Kraft

 

 


 

März / April 2020

 

Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind,

dem die Sünde bedeckt ist!                   Psalm 32,1

 

Das Wort „vergeben“ bedeutet ursprünglich „wegschenken“, „fortgeben“, so dass es nicht mehr da ist. Vergebung ist die Bewegung in eine Richtung: von dem, der Unrecht litt, zu dem, der Unrecht tat. Vergebung schafft, wenn sie echt ist, eine neue, festere Gemeinschaft.

Die Bibel berichtet, dass schuldhaftes Tun seine Folgen hat.
Sünde haftet unsichtbar an dem, der sie tut. Es ist ein Verfehlen des von Gott gesetzten heilvollen Weges. Wer z. B. zu lügen beginnt, wird sich meist in immer mehr Unwahrheiten verstricken.
Sünde ist nie eine einzelne Tat, sondern das sich Hineinbegeben in einen lebenszerstörenden Machtbereich und trennt den Menschen von Gott.
Weil Gott aber reich ist an Vergebung, gab er im AT dem Volk Israel die Opfer als Mittel, um aus diesem Unheilverhältnis herauszukommen. In Verbindung mit dem Bekenntnis der Schuld wurden am großen Versöhnungstag einmal im Jahr vom Priester die Hände auf den Kopf des Opfertieres gestemmt, was symbolisch die Sünde des Volkes auf das Tier übertragen sollte und damit dieses stellvertretend in den Tod ging.
Im NT ist das Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi eine einzige Erklärung, dass Gott es mit Sündern zu tun haben will. Jesus sprach Menschen damals die Vergebung ihrer Schuld zu. Noch am Kreuz betete er um Vergebung für die, die ihn kreuzigten, und starb zugleich auch für sie. Im Abendmahl zeigte Jesus seinen Jüngern, dass sein Leiden und Sterben zur „Vergebung der Sünden“ geschieht.
Da, wo Vergebung der Sünde ist, ist Leben und Erlösung. Das, was uns Menschen von Gott trennt, hat Christus am Kreuz getragen, damit wir schuldlos vor Gott stehen können.
Doch dabei bleibt die Bibel nicht stehen: Wer Gottes Vergebung empfangen hat, ist nun aufgerufen, seinerseits anderen zu vergeben. Wenn mir durch die Vergebung Christi die größte Last genommen ist, dann kann ich es auch lernen, anderen zu vergeben.
Gelebte Vergebung ist der einzige Ausstieg aus dem Teufelskreis des Vergeltungsdenkens. Vergebung ist die einzige Möglichkeit, um aus dem Gefängnis der belastenden Vergangenheit frei zu kommen.
Vergebung ist der einzige Weg, beziehungsfähig zu bleiben, ohne abzustumpfen.
Zu vergeben bedeutet nicht, dem anderen Recht geben zu müssen, sondern ihm seine Schuld nicht mehr zuzurechnen.
Zu vergeben bedeutet nicht, das Geschehene zu vergessen, sondern mein gegenwärtiges Verhalten nicht von der negativen Vergangenheit bestimmen zu lassen.
Schließlich bedeutet Vergebung nicht, aus innerer Schwäche zu handeln, sondern aus dem Bewusstsein von Gottes Barmherzigkeit mit mir, auch barmherzig mit anderen zu werden.

Ermutigende Gedanken und mutige Schritte wünscht Euch     Dirk

 


 

Januar / Februar 2020

 

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!          Markus 9,24

 

Ein Mann kommt zu den Jüngern Jesu mit seinem unheilbar kranken Sohn. Die Jünger stehen da – ohne Jesus – ratlos, hilflos, am Ende ihrer Möglichkeiten. Das erleben wir auch: Lebenskrisen, Krankheitsnot, Bedrohungen unseres Lebens. Wir versuchen uns selbst zu helfen, wir bemühen Spezialisten für schwierige Fälle – und werden enttäuscht. Dann beten wir und warten, dass unser Wille geschieht. Und der Zweifel nagt an unseren Hoffnungen. Unser Glaube, wie ein Strohhalm oder wie ein Stahlseil?

Jesus sagt dem Vater des kranken Sohnes: Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt! Es liegt also am Glauben, an unserem festen Zutrauen auf unseren Herrn. In der Alltagssprache ist Glaube ein Begriff wie aus Gummi, in alle Richtungen dehnbar. Jeder deutet den Begriff auf seine Weise. Es geht hier nicht um einen allgemeinen Volksglauben, dass es einen Gott gibt. Es geht nicht um einen Glauben, der Traditionen erhält. Es geht im biblischen Glaubensbegriff um eine Gewissheit, die auf eigene Sicherheit verzichtet und fest mit Gottes Eingreifen rechnet, die eigenen Wünsche loslässt und sich in Gottes Arme fallen lässt, die mit Gottes grenzenloser Macht rechnet. Das ist so einfach und so schwer für uns und den Vater in der Geschichte. Deshalb schrie er voll Sehnsucht zu Jesus: Ich will dir ja vertrauen. Aber hilf mir, dass ich es kann! Ich bin bereit dazu und schaffe es doch nicht ganz. Da sind Bedenken, Zweifel in mir, die kann ich nicht löschen. Erbarme dich, hilf mir, meinen Unglauben zu überwinden.

Auch wir erleben die Abhängigkeit, wenn es um das Vertrauen geht. Glaube ist nicht machbar. Wir brauchen Gottes Erbarmen.

So ist unser Herr! Er freut sich an der Aufrichtigkeit des Vaters. Jesus heilt das Kind und zeigt so seine Macht und Liebe. Er erbarmt sich über den Rest an Zweifel in unserem Leben und lässt unser Vertrauen zu ihm wachsen. So fordert der Glaube unsere ganze Hingabe und unseren Einsatz. Und zugleich ist der Glaube ein Geschenk an uns, Gottes Werk in uns. So sind wir dankbar, dass wir glauben können und doch bleiben wir am Bitten: Herr, stärke uns den Glauben, lass uns Glaubenserfahrungen erleben.

Ein gesegnetes glaubensstarkes Jahr 2020 wünscht euch  Friedhelm Ries

 



Terminänderungen:

Es finden wieder regelmäßig Gottesdienste in der Stadtmission statt.
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Angaben zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie unter "Aktuelles"

Da es in einem gewissen Rahmen wieder möglich ist sich zu treffen und die Einschränkungen gelockert wurden bieten wir wieder einzelne Veranstaltungen an. Bestimmte Regeln sind aber weiterhin zu beachten um der Coronapandemie weiterhin entgegenzuwirken. Zu den Regeln gehören Mundschutz zu tragen, Hände zu desinfizieren und Abstand zu halten.
Wenn du Anschluss suchst oder Gebet und Unterstützung möchtest, melde dich sehr gerne bei
Reinhard Thomas
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