Blue Flower

 

 

Juli / August 2021

 

 

Die Kunst der kleinen Schritte
Antoine de Saint-Exupéry

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr,
sondern um die Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

Mach mich sicher in der rechten Zeiteinteilung.
Schenk mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden,
was erstrangig und was zweitrangig ist
Bewahre mich vor dem naiven Glauben,
es müsste im Leben alles glatt gehen.
Schenke mir die nüchterne Erkenntnis,
dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge
eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind,
durch die wir wachsen und reifen.
Erinnere mich daran,
dass das Herz oft gegen den Verstand streikt.

Schick mir im rechten Augenblick jemanden,
der den Mut hat,
die Wahrheit in Liebe zu sagen.
Du weißt,
wie sehr wir der Freundschaft bedürfen.
Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten
und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.
Verleihe mir die nötige Fantasie,
im rechten Augenblick ein Päckchen Güte
mit oder ohne Worte an der richtigen Stelle abzugeben.

Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff mit Tiefgang gleicht,
um auch die zu erreichen, die „unten“ sind.
Bewahre mich vor der Angst,
ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nicht,
was ich mir wünsche,
sondern was ich brauche.

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte!

 

 


 

 Mai / Juni 2021

 

„Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht
Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus.“            Galater 3,28

 

 

  

Was diese Blumen gemeinsam haben

Bitte schau dir das Bild noch einmal ganz genau an. Was haben diese schönen Tulpen gemeinsam?

Jede hat doch ihre eigene tolle Farbe, jede hat ihren Stengel, jede ihr eigenes Blätter- und Wurzelwerk.

Richtig! Gemeinsam haben sie, dass sie alle zu der Gattung/Blumenart „Tulpen“ gehören. Gemeinsam haben sie auch, dass sie alle im gleichen Beet stehen und vom gleichen Gärtner als Zwiebel gesteckt wurden.

Was Christen gemeinsam haben

Der Vergleich zu diesen Blumen fiel mir beim obigen Bibelvers aus dem Galaterbrief des Paulus ein. Auch damals schon war die Zusammensetzung der christlichen Gemeinde bunt und vielfältig. Auch damals gab es beträchtliche Unterschiede bezüglich Herkunft, Geschlecht und gesellschaftlichem Status in einer Gemeinde. Und Paulus macht den Christen deutlich, dass es trotz dieser äußeren Unterschiede auf das Gemeinsame ankommt: Sie stehen alle in einem Beet, sie wurden alle von dem einen „Gärtner“ zum Glauben gerufen und beziehen alle aus einer Kraftquelle ihre Nahrung – Jesus Christus! Und aus dieser Kraftquelle wächst buntes Leben. Und so soll auch das gemeindliche Leben sein: bunt und vielfältig, aber doch in dem Einen verwurzelt und gespeist: Christus!

Mit dazu gehören? Ja!

Das ist ja das Schöne am Christsein: Jeder darf dazu gehören. Egal wer du bist, was du hast, wie dich die anderen sehen oder finden. Jesus lädt dich ein, zu ihm zu kommen. Bei ihm gibt es die Unterschiede nicht, die in der Gesellschaft so trennend und verurteilend sind. Wer auch immer du bist, lass dich einpflanzen in den Garten Jesu! Darauf kommt es an. Alles andere, was oder wer wir sind, zählt bei Gott nicht.

Verwurzelt in Christus! Auf dass wir farbenfrohe, frische Christen mit einem vielfältigen, bunten Gemeindeleben sind!

Dies wünscht der Stadtmission Simmern             Dirk Kunz

 


 

März / April 2021

Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.                                                                      Römer 5,8

Die Passionszeit ist eine Zeit zum Nachdenken über Sünde und Vergebung. Aber wer sieht sich noch als Sünder? Wer predigt noch über das Thema Sünde? Wer fragt nach Vergebung? Wir sind doch alle anständig, wir sind doch alle Christen, wir tun keinem etwas Böses, wir geben uns Mühe und sind in Ordnung.

Ob Gott das auch so sieht? Wir brauchen eine gute Kenntnis der Bibel und dann entdecken wir die Heiligkeit Gottes, das radikale Nein Gottes zur Sünde. Auch kleine Sünden trennen uns von Gott und ziehen uns in die ewige Verlorenheit.

Wir entdecken im Wort Gottes auch die große Liebe Gottes, das tiefe Erbarmen über uns Sünder. Gott wendet sich nicht enttäuscht ab, er wendet sich uns zu und gibt nicht auf. Ehe wir lebten hat er sich eingesetzt mit einer großen Rettungsaktion. Er hat sich das viel kosten lassen und schonte seinen Sohn nicht, er strafte ihn statt uns.

Einmalig ist unser Herr, unvergleichlich diese Liebe. Ganz anders als wir Menschen. Wenn andere im Elend sind, können wir vorbei gehen. Wenn andere um Hilfe bitten, können wir taub sein. Wir sind oft so kalt und weit weg von dieser Liebe Gottes.

Großartig ist unser Herr, wie er unser Schuldproblem löst. Er kommt uns entgegen, er lädt dich ein zur Versöhnung, er hat Gnade genug für alle unsere Altlasten.

Wer schon lange mit Christus lebt, der kann sich an die Geschenke Gottes gewöhnen. Es ist nichts mehr Besonderes, wir verlieren die Wertschätzung. Deshalb wollen wir uns in dieser Passionszeit wieder neu hinein vertiefen in das Wunder der Erlösung.

Lasst uns neu ehrlich sein vor Gott, dass wir die Sünde nicht verharmlosen, nicht leugnen, keine Ausreden bringen, sondern mit allem zum Kreuz Jesu kommen.

Lasst uns neu staunen vor Gott, wie er alles plante. Ein grausames Gericht traf Jesus, das hätte ich verdient und ich wurde verschont.

Lasst uns deshalb Jesus noch viel mehr lieben und ehren. ER ist es wert!

Eine gesegnete Passionszeit wünscht Euch

Friedhelm Ries

 


 

Januar / Februar 2021

 

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist.“  Lukas 6,36

Gottes Vaterhände

Der berühmte Maler Rembrandt (1606-1669) war dem Tode nahe, als er das Bild „Die Rückkehr des verlorenen Sohnes“ malte.

Man könnte es auch nennen: „Der Empfang durch einen barmherzigen Vater“. Er malte einen alten Mann, der seinen abgemagerten und zerlumpten Sohn in die Arme nimmt. Der Sohn kniet vor ihm und er breitet seinen roten Umhang wie ein Zelt über ihn.

Die Mitte des Bildes sind die Hände des Vaters. Auf sie ist alles Licht gebündelt. Sie berühren die Schultern des Sohnes. Beide Hände sind sehr verschieden. Die linke Hand ist kräftig und muskulös. Sie scheint einen festen Druck auszuüben. Wie anders die rechte Hand des Vaters! Diese Hand hält nicht und greift nicht. Sie ist feingliedrig, sanft und sehr zärtlich. Sie liegt weich auf der Schulter des Sohnes. Sie will streicheln, liebkosen und trösten. Es ist die Hand einer Mutter.

Die Hände zeigen den Vater nicht als einen großen Patriarch, sondern ebenso als Mutter wie als Vater.

Gott berührt den Menschen mit einer männlichen und einer weiblichen Hand. Er hält und sie streichelt. Er bekräftigt und sie tröstet.

Es ist wirklich Gott, in dem beides, Mannsein und Frausein, Vaterschaft und Mutterschaft, voll und ganz gegenwärtig ist.

„Als der Sohn noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“  Lukas 15,20

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet!“  Jesaja 66,13

Dirk Kunz

 


 

November / Dezember 2020

 

             Eine Samstagmorgen-Begegnung             

 

Samstagvormittag. Fußgängerzone. Unser Büchertisch mit kostenloser christlicher Literatur war gut postiert.
Er fiel auf an diesem Samstagmorgen in der Fußgängerzone. Dunkler Anzug, weißes Hemd, Krawatte, Hut und ein Gehstock mit silbernem Knauf.
Wortlos blieb der ältere Mann an unserem Büchertisch stehen und taxierte die ausgelegte Literatur. Auf meinen Hinweis, dass alle Bücher kostenlos seien, gab er keine Antwort. Minuten vergingen. Dann seine abwertende Reaktion: „Die Bücher sind alle Unsinn!“
Ich war natürlich anderer Meinung; lagen doch Titel von Wilhelm Busch bis Prof. Werner Gitt zu den unterschiedlichsten Themen aus.
Der ältere Herr blieb bei seiner Meinung. Seine Frage kam für mich überraschend: „Wo haben Sie studiert, junger Mann?“ Auf meinen Hinweis, dass ich kein Studium nachweisen könne, kam wie aus der Pistole geschossen seine nächste Frage: „Waren Sie wenigstens auf einer Bibelschule?“ Mit meinem erneuten Nein schmolz mein anfängliches Selbstbewusstsein. „Dann kennen Sie doch wenigstens den und den wegführenden Theologen und seine Lehre?“ Du ahnst es sicher! Auch hier musste ich passen und mir wurde langsam flau in der Magengegend. „Was bilden Sie sich eigentlich ein, mit solchen „Käsebüchern“, gepaart mit totaler Inkompetenz, Menschen hier in der Fußgängerzone zu belästigen?“
Das war dann doch der Schritt zu weit. Ich versuchte mich unter Kontrolle zu halten und wies diesen an einem Samstagmorgen in der Fußgängerzone viel zu vornehm gekleideten Herrn darauf hin, dass ich ihn gar nicht genötigt hatte, an unserem Büchertisch stehenzubleiben. „Wer sind Sie überhaupt?“, hörte ich mich fragen. „Ich war Professor für Theologie in Marburg“, kam die prompte und bestimmende Antwort.
Schlechter Samstag. Oder doch nicht? Mein Stoßgebet kannten nur ich und mein himmlischer Vater. Und es wurde erhört. Zum Glück – gleich erhört! „Herr Professor, als Theologe kennen Sie doch bestimmt das kürzeste Zeugnis im NT?“ Seine Stille verriet Unkenntnis und so trieb ich es keck auf die Spitze. „Ach, Sie sind wie Nikodemus ein Lehrer Israels und wissen das nicht?“ Langsam gefiel mir das Gespräch. „Na, Sie werden mich bestimmt gleich aufklären“, sagte mein Gegenüber. In der Tat, das konnte ich! „Sehen Sie, im Johannesevangelium wird ein blinder Mann von Jesus geheilt. Und als er von der religiösen Oberschicht befragt wurde, sagte dieser einfache Mann: ‚Früher war ich blind und jetzt sehe ich!’ Sehen Sie, Herr Professor, das ist das kürzeste Zeugnis im NT. Und genau deshalb stehe ich hier, denn auch ich war früher blind und heute sehe ich.“ Wortlos verließ mein Gesprächspartner den Büchertisch und verschwand in der Menge der Fußgängerzone.

 

R. Gerhardt

 



September / Oktober 2020

Erwischt!

„Herr Pastor, letzten Montag habe ich Sie erwischt!“, sagte er mir mit verschmitztem Lächeln, um mir deutlich zu machen, dass er es schon lange wusste: Der Mann von der Stadtmission ist auch keinen Deut besser … „Was denn?“, fragte ich erstaunt. „Ja, Sie sind mit dem Auto um Viertel nach sechs von der X-Straße in die Y-Straße abgebogen und haben nicht geblinkt. Ich war direkt hinter Ihnen. Na, bitte!“ „Okay, was will der, was wird das denn jetzt“, war mein erster Gedanke. Ich sagte ihm dann einfach: „Das nächste Mal werde ich blinken – extra für Sie.“ Aber was steckt dahinter? Ich wurde stutzig. Irgendwie scheint er zu denken, dass die, die sich Christen nennen, alles richtig machen müssen. Vielleicht ist er der Meinung, dass Christsein darin besteht, keine Fehltritte zu machen und immer schön fromm, lieb und brav zu sein. Und wenn ich dann einen dabei erwische, wo das nicht so ist: „Siehste, ich habe es doch gleich gewusst, die sind doch auch nicht besser. Tun so fromm nach außen und hinten herum läuft da eine Menge schief.“ Folgendes an der Sache ist interessant: Er hat ja Recht damit, wenn er sagt, Christen sind kein bisschen besser als jeder andere auch. Das stimmt total. Ein Glaube, der zum Inhalt hat, aus sich selbst gut zu werden und alles richtig zu machen ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Keiner schafft es, auch wenn er sich religiös noch so anstrengt und jeden Sonntag in die Kirche rennt. Was er aber anscheinend nicht weiß, ist, dass es gar nicht Ziel und Inhalt des Christseins ist, durch eigene Werke und Anstrengung gut zu werden. Das Evangelium, die Frohe Botschaft, bedeutet doch, dass der Mensch befreit wird von seiner Schuld durch das, was Jesus Christus für uns tat. Er trug die Schuld für uns. Ich muss mich nicht selbst bemühen, alles richtig machen zu müssen. Ich kann, ja ich muss zu meinen Fehlern stehen, weiß aber wohin damit: zu Christus! Ich empfinde Christ zu sein von daher sehr befreiend.

Womit wir bei Martin Luther und der Reformation wären. Auch ihm ging es so. Als er für sich entdeckte, dass Gott ein gnädiger Vater und keinesfalls ein bösartiger Erbsenzähler ist, da war das für ihn – wie er selbst schreibt – als träte er „direkt ins Paradies“ ein. Fortan wollte er nichts mehr, als diese befreiende Botschaft möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Kein Wunder, dass er einen deutschen Gottesdienst entwickelte, mit seinem Katechismus eine Art ersten Glaubensgrundkurs schrieb und alle Leute ermutigte, den wunderbaren Gott des Himmels und der Erde kennenzulernen. Am besten, indem sie in seinem jetzt zugänglichen Wort lasen. Oder wie Luther es einmal sagte: „Wenn wir glauben könnten, dass in der Heiligen Schrift Gott selbst zu uns spricht, dann würden wir eifriger darin lesen und wären sicher, dass hier unser Lebensglück geschmiedet wird“.   

                                                                                                   Dirk Kunz

 

Wir laden herzlich ein zu unseren Gottesdiensten:

1. und 2. Sonntag im Monat um 14.00 Uhr
3. und 4, Sonntag im Monat um 10.30 Uhr
5. Sonntag im Monat um 14.00 Uhr


Predigten von Dirk Kunz finden sie auf You Tube unter Stadtmission Kirn!
  
Angaben zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie unter "Aktuelles"

Da es in einem gewissen Rahmen möglich ist sich zu treffen bieten wir einzelne Veranstaltungen an.
Bestimmte Regeln sind aber weiterhin zu beachten um der Coronapandemie weiterhin entgegenzuwirken. Dazu gehören Mundschutz zu tragen, Hände zu desinfizieren und Abstand zu halten.
Wenn du Anschluss suchst oder Gebet und Unterstützung möchtest, melde dich sehr gerne bei
Friedhelm Ries
Tel.: 06766/9899844
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